07. November 2003, 23:48 Uhr, bergwerkAus "Briefen von Frau Berg", 5.11.2003Sie sehen hier den Alfred Meier
hat jeden Tag die gleiche Leier:
Er steht um 8 in seinem Laden.
verkauft an Angler alte Maden.
Nach Hause geht er in der Nacht-
dort wird noch schnell ein Brot gemacht.
Das isst er auf und schaut gen Himmel
und denkt sich-hab ich einen Fimmel.
Die Arbeit mach ich um zu leben
doch Leben kanns so keines geben
Und müde liegt der Meier dann
schaut in der Nacht die Tränen an,
die aus seinen Augen fallen
und kann auch leise nur noch lallen--
lieber Gott ich bitt dich sehr
gib mir schnell mehr Freizeit her.
Der Gott ist grade Urlaub machen
und kümmert sich um andre Sachen-
Tieftraurig schläft der Meier ein
im Traum da kann er ein Playboy sein.
Dann wacht er auf und es ist grau
dem Meier wird schon morgens flau.
Doch am Wochenende dann,
wenn der Meier leben kann-
liegt er im Bett und ihm ist kalt
er spürt-nun wird er langsam alt.
Kann sich kein anderes Leben denken
und prüft an Haken sich zu henken.,
er läuft um Häuserblocks herum,
das wird ihm auch recht flott zu dumm.
Er freut sich auf den Montag dann
wo er zu seinen Maden kann.
Dann kommt der Höhepunkt im Jahr
Herr Meier reist nach Sansibar.
Liegt dort im Bett und schwimmt im Meer
das langweilt ihn doch furchtbar sehr.
So wird der Meier immer älter
die Raucherbeine immer kälter.
Eines Tages ist er tot
mit ihm vorbei die ganze Not.
In seiner Wohnung findet man
sehr viele Fotos irgendwann
da ist der Meier drauf zu sehn
beim um die Häuserblocks drumgehn,
beim baden in diversen Meeren,
beim gähnen in so vielen Sphären.
Die Fotos landen auf dem Müll-
der Meier liegt auch endlich stüll
verwest recht fein und ihm ist klar
das Leben nur ein Irrtum war.
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04. Oktober 2003, 23:09 Uhr, bergwerkDas Wort zur WocheWunder sagtest du, Wunder gibt es nicht. Wie soll es da etwas geben, etwas Wunderbares, da es regnet und wieder stehst du auf und alles war, wie du es gestern verlassen hattest, als du einschlafen musstest.
Deine Wohnung, die natürlich nicht dir gehörte, sondern einer Holding und wollten die morgen Tiefgaragen erstellen, säßest du auf der Strasse mit deinem Koffer, den du noch nicht einmal besitzt, denn verreist bist du noch nie, um dich herum ist gelb weil du rauchst und weil die Farbe eben gelb wird an der Wand wenn man raucht und zuviel Angst hat und die Möbel , die waren mal niedlich als du jung warst und du die Wohnung eingerichtet hast, wie ein Puppenhaus. Und die Fenster würden auch nicht klarer, wenn du sie putztest und draußen würde es nicht heller davon, weil gegenüber steht ein gelbes Haus bis in den Himmel. Das weißt du nicht sicher, das da ein Himmel ist, für jemand wie dich, vermutetest es, weil es allgemein so angenommen wird. Und deine Kleidung riecht nach Rauch und nach dir, also nach Angst und die ziehst du an und du frierst, weil es kalt ist in der Wohnung. Weil du alt wirst und es noch immer nicht geschafft hast, mehr als eine Abhängige zu sein. Abhängig von den städtischen Elektrizitätswerken, die entschieden haben das für dich, du arme Sau, noch kein Winter ist. Du stehst da in deinen Kleidern, die tun, als seist du noch 20, doch du bist mindestens zweimal so alt, irgendwann hast du aufgehört zu zählen, als du merktest, das ein Tag ist wie der andere. Das da keine Menschen in dein Leben träten, dich zu retten, das du alleine in hässlichen Cafés sitzt unter kranken Bäumen und Autos zusehen , die da fahren an der Hauptstrasse, die gelb ist. Und dann heim, wie das aussieht wissen wir, um zu warten das noch einmal ein Zustand kommen würde. Irgendwas wie Energie. Was , das sich anfühlen würde wie damals, als du 17 warst und in diese Stadt gezogen und glaubtest, alles erreichen zu können. Die folgenden Jahre verbrachtest du mit der überlegung, was ALLES eigentlich wäre und dann warst du 30 und klar, das Alles nicht drin läge, eigentlich kaum etwas drinläge, das mit Rasensprenklern in Parkgrossen Vorgärten zu tun hätte, und du arbeitetest irgendwas in einem Büro das aussah, als hätten geistig Behinderte Büroeinrichten gespielt, mit summenden Computern und Fliegengittern und Tassen mit Mäusen drauf und wenn du heim kamst, wie das aussah wissen wir jetzt wirklich, war da keiner, weil du nie die richtigen Worte gefunden hattest um jemanden zum bleiben zu animieren. Wie hättest du jemanden von etwas überzeugen sollen, das dir selber zuwider war. Und die du kanntest bekamen Kinder wenn sie Frauen waren, und wurden dick und selbstgerecht, und stumm vor einen Fernseher montiert, wenn sie Männer waren. Und nun warst du alt geworden und wusstest , wie Leben läuft. Von morgens bis abend lief das, und der Job war, es herumzubekommen, das ging ja am besten im Bett, wenn das nur nicht so kalt gewesen wäre. Und wie es anders sein könnte, davon hattest du keine Ahnung. Wie das wohl geht, wenn Leute lachend Vespa fahren und immer singen Vögel. Das machten die sicher mit Drogen. Und Wunder, die gibt es nicht, wusstest du und lachtest leise und gingst zu Bett und dann klingelte es. Und vor der Tür stand ein Mann mit einem Umhang und er war rasiert und leuchtete. Er nahm dich an der Hand, und sein Pferd war da geparkt und da hob er dich drauf und ihr entferntet euch zügig aus der Stadt die gelb war und aus deinem Leben und du schütteltest den Kopf und dachtest: Na sowas.
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18. August 2003, 16:53 Uhr, bergwerkSonntag oder Montag, egal, der Sommer ist vorbei.Jüngst ein Freund zu mir (erste Lüge, das war kein Freund, sondern nur ein Mensch): Das Leben ist nicht zu kurz, das ist ein Irrtum. Es ist erschreckend lang und es mit Sinn zu füllen fast unmöglich. Ich nachdenklich ab. Selbstversuch steht an. Ein Tag meines Lebens. Was soll lang daran sein, hat ja im Höchstfall nur 15 Stunden , dann streikt der Leib braucht Schlaf, was soll passieren auf der Welt in 15 Stunden.
Aufwachen. Tolle Leistung. Zum Frühstück die Zeitungen. In Deutschland wird über eine Agenda diskutiert. Verstehe nix. Die Bahn hat ihre Preise geändert. Sind jetzt nur noch dreimal so teuer wie fliegen. Herr Schirrmacher dreht durch. Mit dem Gesicht würd ich das auch. Fernseher läuft. überall werden Popstars gecastet und der Plattenindustrie geht es schlecht. Der Kinnteufel macht seine erste Singel. Der Hit des Jahres: Bauchfrei. Aber gepflegt muss es sein. Draußen Hubschrauber. Es geht wieder los. Haben die denn gar nichts gelernt? Ist nur ein Rettungshubschrauber, alle halbe Stunden einer , da ist dann jemand zu Rettendes drin. Innerhalb von Sekunden ist für ihn die Frage ob kurz oder lang keine mehr. Das Telefon. In dieser Reihenfolge:
Eine Absage für einen Artikel. Geht nicht, wir verstehen die Geschichte nicht. Was, sie haben den Bauchfrei geschrieben? Na dann. Ein Freund. Die Frau weg. Eine andere Freundin. Schwanger. Ein Freund: gekündigt. (alles falsch, sind keine Freunde, da können die ihre Seele noch so baumeln lassen, die Arschgeigen)Das Amt: den Ausweis abholen. Der Arzt: Krebs ist es nicht. Die Bank: Kontoausgleich ist das auch nicht. Fernseher läuft immer. Waldbrand in überall. Nicht zu stoppen , außer durch Schnee. War das der Kinnteufel?Die Post : Zwei Rechnungen- verbrennen. Am besten im Wald. Zwei Mahnungen. Ins Feuer , Hand hält ein, Ausweisung droht. Kein Liebesbrief. Geliebt wird nicht mehr, Nur gemahnt. Mittag. Instantsuppe. Müsste mal wieder Vitamine, laufen, aber wohin denn bloß? wenn mal der Arzt anruft und es ist Krebs werde ich mich ärgern. Wenn ich älter werde und nicht mehr laufen kann werde ich mich sehr ärgern. Aber alt werden ist weit weg. Arbeiten. Für geld, für Unsterblichkeit. Alles Quatsch. Einfach arbeiten. Man sollte mal wieder leben. Leben,. Gute Idee, wie geht das wohl. Rausgehen Spaß haben , nette Menschen mit interessanten Hobbys kennenlernen. Kultur und so weiter. Wieder ein Flugzeugabsturz. Alle hin. Was noch ? Abend am Himmel. Rausgehen. Leute kennenlernen, gar nicht, kenn schon genug. Gespräche wie immer: nie genug, nie glücklich, nie den Sinn gefunden und schlaft gut. Den Tag verlängern? Ins Mövenpick da unten um die Ecke Bleicherweg in Zürich wo immer ganz viele in Paarungslaune sind? Ich nicht. Ich heim ins Bett Nachrichten. Noch mehr tote Flugzeuge, Rebellen, Geiselnahmen, Lawinen, ein Film, egal was für einer schon zuviel im Kopf . Mein lieber Freund. Ich glaube du hast Recht. Das Leben ist entschieden zu lang.
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